Junge Fahranfänger

- Die beiden haben sich für BF17 entschieden - und sind so ein Jahr früher mobil.
Fast 90 Prozent der Pkw-Fahranfänger waren im Jahr 2010 jünger als 25 Jahre. Für die meisten von ihnen bedeutet das, ihren Führerschein in einer Zeit zu machen, in der sich vieles verändert und sie Ansprüchen von Schule und Berufsausbildung, der Familie, gleichaltriger Freunde und ihrer Freizeit genügen wollen.
Weit überwiegend befinden sich die jüngsten Fahranfänger als 17- und 18-Jährige noch in der Schul- und Berufsausbildung. Hohe Leistungsanforderungen und Prüfungsstress schaffen einen Konkurrenzdruck und können für die berufliche Zukunft entscheidend sein.
In ihrem Elternhaus – meist der Lebensmittelpunkt junger Fahranfänger – leben sie zunehmend eigenständiger und selbstbestimmter. Für das Familienleben ebenso wie für die Jugendlichen selbst spielen die finanzielle und soziale Lage der Familie, ihre Wohnsituation, sowie die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander eine wichtige Rolle.
Bei der Bewältigung alters- und generationsspezifischer Probleme oder bei der Aufnahme eigener partnerschaftlicher Beziehungen sind gleichaltrige Freunde, die sich oft in einer ähnlichen Situation befinden, besonders wichtig. Im Austausch mit ihnen entwickeln Jugendliche soziale Kompetenzen und erfahren Hilfe und Unterstützung. Kurz: Gleichaltrigengruppen begleiten die Jugendlichen ins eigenständige erwachsene Leben.
Mobilität gewinnt an Bedeutung
Treffen mit Freunden, Sport, Kino- oder Cafébesuche – die Freizeit von Jugendlichen ist oft geprägt von Aktivitäten außer Haus. Dieses Freizeitverhalten bestimmt auch ihre Autonutzung.
Selbstständigkeit und Mobilität gewinnen in dieser Lebenssituation an Bedeutung, und das nicht nur für die Jugendlichen selbst. Ob im Berufsleben oder von Gleichaltrigen – die eigenständige Mobilität wird erwartet und geschätzt. Der Wunsch, so früh wie möglich eine Fahrerlaubnis zu erwerben, ist daher leicht nachzuvollziehen.
Allerdings geht der Beginn des selbstständigen Autofahrens mit einem sehr hohen Unfallrisiko der jungen Fahranfänger einher. Hier setzt das Begleitete Fahren an, indem es den noch unerfahrenen Fahrern routinierte Begleitpersonen zur Seite stellt und somit die Lern- und Übungszeit der jungen Menschen um bis zu zwölf Monate verlängert. Fahranfänger und ihre Begleiter werden ermutigt, diese Zeit intensiv für gemeinsames Üben zu nutzen. Dies ermöglicht den Aufbau umfassender Fahrerfahrung noch vor dem ersten selbstständigen Autofahren nach dem 18. Geburtstag und verringert deutlich das Risiko, beim Allein-Fahren zu verunglücken.
Quellen:
Funk, W.; Schneider, A.H.; Zimmermann, R.; Grüninger, M. (Im Erscheinen)
Mobilitätsstudie Fahranfänger. Entwicklung der Fahrleistung und Autobenutzung am Anfang der Fahrkarriere. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit, Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW
Funk, W.; Grüninger, M. (2010)
Begleitetes Fahren ab 17 – Prozessevaluation des bundesweiten Modellversuchs. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit Heft M 213. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW
Kraftfahrt-Bundesamt (2011)
Fahrerlaubnisse. Fahrerlaubniserteilungen. Jahr 2010. Flensburg: Kraftfahrt-Bundesamt
Projektgruppe Begleitetes Fahren (2003)
Begleitetes Fahren ab 17. Vorschlag zu einem fahrpraxisbezogenen Maßnahmenansatz zur Verringerung des Unfallrisikos junger Fahranfängerinnen und Fahranfänger in Deutschland. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit, Heft M154, Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW
Statistisches Bundesamt (Ohne Jahr)
Tabelle A1. Bevölkerung am 21.12.2009 nach Alters- und Geburtsjahren. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt
Raithel, J. (1999)
Unfallursache: Jugendliches Risikoverhalten. Verkehrsgefährdung Jugendlicher, psycho-soziale Belastungen und Prävention. Weinheim und München: Juventa

