Unfallrisiko

- Begleitetes Fahren ab 17 hilft, das hohe Unfallrisiko bei Fahranfängern zu verringern.
In Deutschland zeigen die Unfallstatistiken, dass Fahranfänger im Vergleich zu erfahreneren Autofahrern ein deutlich höheres Unfallrisiko haben. Nach Angabe des Statistischen Bundesamts verunglückten im Jahr 2010 knapp 73.000 18- bis 24-Jährige im Straßenverkehr, 690 wurden getötet.
Dabei verunglückten fast drei Viertel der jungen Erwachsenen im Pkw, davon etwa 38.600 als Fahrer und 14.300 als Mitfahrer. Gerade bei den Pkw-Verkehrstoten wird ein Geschlechtsunterschied offenkundig: Etwa drei Viertel waren Männer.
In ihrem Vorschlag zur Erprobung des Begleiteten Fahrens verdeutlichte die gleichnamige Projektgruppe, dass Pkw-Fahranfänger in Deutschland pro Tag an durchschnittlich drei bis vier Unfällen mit Getöteten, an 45 Unfällen mit Schwerverletzten und an 170 Unfällen mit leicht Verletzten beteiligt waren. Dabei verursachten die Fahranfänger über 60 Prozent dieser Unfälle hauptsächlich selbst.
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich die Anzahl verunglückter und getöteter junger Menschen deutlich verringert: Seit 1991 ist die Zahl der verunglückten 18- bis 24-Jährigen um 46 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Getöteten sank sogar um etwa drei Viertel!
Alter und Unerfahrenheit wesentliche Einflüsse
Das ist allerdings kein Grund, sich auszuruhen. Nach wie vor sind junge Fahrer im Straßenverkehr besonders gefährdet. Die Wissenschaft benennt hierfür zwei Bündel von Einflüssen:
Zum einen die fahrpraktische Unerfahrenheit (das so genannte „Anfängerrisiko“) aufgrund ihrer relativ geringen Fahrpraxis zu Beginn des selbstständigen Autofahrens. Fahranfänger benötigen in dieser Zeit viel Aufmerksamkeit für die Handhabung des Autos. Deshalb fällt es ihnen häufig schwer, gleichzeitig die Verkehrssituation zu beobachten und plötzlich auftretende Risiken rechtzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Zum anderen die Jugendlichkeit der Fahranfänger (das so genannte „Jugendlichkeitsrisiko“). Sie wird häufig mit einem altersspezifischen Lebensstil, typischen Merkmalen der zurückgelegten Wege (Uhrzeit der Fahrt, Fahrtziele, Mitfahrer), einer sich noch entwickelnden Persönlichkeit und einer Tendenz zu einem höheren Risiko in Zusammenhang gebracht.
Fahrpraxis entscheidend
Detaillierte Unfallanalysen zeigen, dass die höchste Gefährdung unmittelbar zu Beginn des Allein-Fahrens besteht. Mit zunehmender Fahrerfahrung verringert sich das Unfallrisiko deutlich: Bereits nach neun Monaten halbiert es sich, nach etwa zweieinhalb Jahren liegt es nur noch bei zehn Prozent (vgl. Bild 2).
Dieser schnelle Rückgang des Unfallrisikos unterstreicht die Wichtigkeit der Fahrpraxis für ein sicheres Autofahren. Deshalb wurde die Möglichkeit des Begleiteten Fahrens geschaffen, die den Erwerb wertvoller Fahrerfahrung noch vor dem ersten selbstständigen Fahren ab 18 Jahren unter geschützten Bedingungen erlaubt.
Quellen:
Projektgruppe Begleitetes Fahren (2003)
Begleitetes Fahren ab 17. Vorschlag zu einem fahrpraxisbezogenen Maßnahmenansatz zur Verringerung des Unfallrisikos junger Fahranfängerinnen und Fahranfänger in Deutschland. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Mensch und Sicherheit, Heft M154, Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW
Schade, F.-D. (2001)
Daten zur Verkehrsbewährung von Fahranfängern. Reanalyse von Rohdaten der Untersuchung Hansjosten, E. & Schade, F.-D. (1997): Legalbewährung von Fahranfängern. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Heft M 71. Unveröffentlichtes Manuskript. Flensburg: Kraftfahrt-Bundesamt
Statistisches Bundesamt (2010a)
Verkehrsunfälle. Unfälle von 18- bis 24-Jährigen im Straßenverkehr. 2009. Fachserie 8 Reihe 7. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt
Statistisches Bundesamt (2010b)
Verkehr. Verkehrsunfälle. 2009. Fachserie 8 Reihe 7. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt



